Hier entsteht unser Konzept – zum Mitlesen
Die meisten Projekte zeigen am Ende das fertige Ergebnis. Wir machen es anders: Auf dieser Seite sammeln wir laufend, welche Ideen wir prüfen, wie wir sie bewerten und warum manche es am Ende nicht in den Plan schaffen werden. Denn genau diese Abwägungen helfen anderen Einrichtungen weiter – einen fertigen Maßnahmenkatalog kann man ohnehin nicht einfach übertragen.
Wichtig zu wissen: Alles hier ist Werkstatt, nicht Beschluss. Was am Ende umgesetzt wird, entscheidet sich mit dem fertigen Konzept – und hängt auch von der Finanzierung ab.
Grün, blau oder grau? Ein kurzer Wegweiser
Grün heißt: mit Pflanzen. Bäume, Sträucher, Dach- und Fassadenbegrünung. Sie kühlen durch Schatten und durch Verdunstung.
Blau heißt: mit Wasser. Zisternen, Versickerungsmulden, Wasserflächen wie Teiche und Brunnen. Sie halten Regen zurück und geben Feuchtigkeit ab.
Grau heißt: baulich-technisch. Markisen, Überdachungen, Kühlgeräte, Schwellen gegen eindringendes Wasser. Wirkt sofort und verlässlich, verbraucht aber oft Energie und tut Natur und Umwelt nichts Gutes.
Unsere Reihenfolge: erst grün und blau, dann grau – und wenn grau, dann möglichst gemeinsam mit einer naturbasierten Lösung.
Sofort spürbar: Was wir schon ausprobiert haben
Manches muss nicht auf das Konzept warten. Im Hitzesommer 2026 haben wir drei einfache Dinge getestet:
Nackenkühlringe mit PCM
Ein kleines Probe-Team aus der Pflege hat sie getragen. Die Ringe enthalten ein sogenanntes Phasenwechselmaterial, das bei etwa Raumtemperatur fest wird und beim Auftauen Wärme aufnimmt – ohne Strom, ohne Eisfach, einfach wieder aufladbar. Am Hals gekühlt, wo das Blut dicht unter der Haut fließt, macht das spürbar etwas aus.
Kühltücher
Für Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende ausgegeben – unkompliziert, sofort wirksam, günstig.
Fächer
Der älteste Hitzeschutz der Welt, und immer noch einer der besseren: Man kann ihn selbst bedienen, er braucht keinen Strom, und er lässt sich gut in Gruppenangebote einbauen.
Warum wir das erzählen: Klimaanpassung wird oft als große Baumaßnahme gedacht. Der Einstieg kann viel kleiner sein – und die kleinen Dinge sorgen dafür, dass das Thema im Haus ankommt, lange bevor der erste Bagger kommt.
Woran wir gerade arbeiten
Klimafolge: Hitze · Art: grau, kombiniert mit grün · Stand: in Prüfung
Die Idee: ein Vordach über der Südfassade, das die stark besonnten Fensterflächen beschattet – und selbst begrünt wird. Ein Gründach speichert Regenwasser, kühlt durch Verdunstung und dämmt zusätzlich.
Warum nicht rein naturbasiert? Weil wir Schutz brauchen, bevor neue Bäume groß genug sind. Die Begrünung der Überdachung ist unser Weg, aus einer baulichen Maßnahme trotzdem eine naturnahe zu machen.
Was noch zu klären ist: Statik, Brandschutz – und die Frage, wie wir das Winterlicht erhalten, das unsere Zimmer so angenehm macht.
Klimafolge: Hitze, Sturm · Art: grün · Stand: in Prüfung
Das Herzstück. Wir wollen zurückholen, was 2018 verloren ging – aber klüger: mit Arten, die Hitze und Trockenheit vertragen, die sturmfest wurzeln können und die zum Standort passen. Bäume wirken doppelt: Sie beschatten den Garten und kühlen über Verdunstung auch die Luft vor den Zimmern.
Was noch zu klären ist: Artenwahl, ausreichend durchwurzelbarer Raum, Standorte in sinnvollem Abstand zum Gebäude – und die Bewässerung in den ersten Standjahren. Junge Bäume überstehen einen Sommer wie 2026 nicht ohne Hilfe.
Klimafolge: Hitze · Art: grün mit Rankgerüst · Stand: Idee
Ein beschatteter Weg wäre mehr als Sonnenschutz: Er macht den Spaziergang wieder möglich, der für viele zum Tag gehört. Kletterpflanzen an einer Pergola wachsen deutlich schneller als Bäume – ein grüner Schattenweg kann in wenigen Jahren stehen.
Was noch zu klären ist: Wegeführung wegen der Feuerwehrzufahrt, Barrierefreiheit, rollator- und rollstuhlgerechte Breite, Pflanzenauswahl (blühend und insektenfreundlich, ohne Stacheln und ohne giftige Früchte, außerdem nicht allergen).
Klimafolge: Hitze, Trockenheit, Starkregen · Art: blau · Stand: in Prüfung
Regenwasser auffangen, statt Trinkwasser für den Garten zu verbrauchen. Das schont Ressourcen, entlastet bei Starkregen die Kanalisation und macht die neuen Pflanzungen unabhängiger von Trockenperioden.
Warum das gut zusammenpasst: Ohne Bewässerung keine jungen Bäume, ohne Zisternen keine ressourcenschonende Bewässerung. Die Maßnahmen stützen sich gegenseitig.
Klimafolge: Hitze · Art: grün · Stand: Idee
Beerensträucher, Kräuter, Obst – in erhöhten Beeten, die man auch im Sitzen erreicht. Ein Naschgarten kühlt, bietet Insekten Nahrung und gibt einen guten Grund, nach draußen zu gehen. Er weckt Erinnerungen, spricht Geruchs- und Geschmackssinn an und lässt sich hervorragend mit Betreuungsangeboten verbinden.
Was noch zu klären ist: Pflege im laufenden Betrieb, Beschattung des Naschgartens selbst, Auswahl unbedenklicher Arten.
Klimafolge: Hitze · Art: grau · Stand: in Prüfung, mit Fragezeichen
Feiner Wassernebel kühlt die Luft im Freien spürbar ab. Die Idee ist reizvoll, wir prüfen sie aber besonders sorgfältig: In einer Pflegeeinrichtung mit sehr alten Menschen gelten für Wasseraerosole hohe hygienische Anforderungen. Ob und wie sich das sicher betreiben lässt, klären wir mit Fachleuten, bevor wir sie weiterverfolgen.
Ehrlich gesagt: Es kann gut sein, dass wir diese Idee am Ende verwerfen. Auch das gehört zur Werkstatt.