Mitmachen und Nachmachen

Behindertengerechtes Wohngebäude neben dem Pflegeheim Schlößle

Diese Seite hat zwei Hälften.

Die eine ist für die Menschen, die bei uns leben, arbeiten oder zu Besuch kommen: Ihre Erfahrungen fließen direkt in unser Konzept ein.

Die andere ist für alle anderen – für Sie, wenn Sie zufällig hier gelandet sind und sich fragen, was man eigentlich selbst tun kann. Sie brauchen kein Förderprogramm und keinen Bauantrag, um einem Fenster Schatten zu verschaffen. Vieles geht mit einer Schnur, einem Kübel und einem Nachmittag Zeit.

Ideen zum Nachmachen

Klimaanpassung klingt nach Millionenprojekten. Sie fängt aber oft sehr klein an. Hier sind Ideen, die auf einem Balkon, in einem Hinterhof oder vor einer Haustür funktionieren – zusammengestellt aus dem, was wir bei unserer eigenen Recherche nützlich fanden.

Aufwand: ein Nachmittag · Kosten: gering · geht auch zur Miete

Schlingpflanzen brauchen keine teure Konstruktion. Sie greifen nach allem Dünnen: einer Schnur, einem Draht, einem Bambusstab. Hopfen, Stangenbohne oder Feuerbohne klettern in einem Sommer mehrere Meter hoch und beschatten Fenster, Balkon oder Sitzplatz – dort, wo im Winter das Licht wieder durchkommen soll, weil die Pflanze dann abgestorben ist.

So geht es: einen großen Kübel mit Abzugsloch aufstellen, Schnüre von der Kübelkante nach oben spannen und oben befestigen, die jungen Triebe einmal von Hand in die richtige Richtung wickeln. Den Rest machen sie allein.

Worauf achten: großzügig gießen – Kletterpflanzen im Topf sind durstig. Wer an der Hauswand bohren möchte, braucht in der Mietwohnung die Zustimmung der Eigentümerin oder des Eigentümers. Oft lassen sich aber Geländer, Stützen oder Balkonpfosten direkt als Rankhilfe nutzen. Hopfen treibt jedes Jahr neu aus, Bohnen sind einjährig – dafür kann man sie essen.

→ Begrünung für Mieterinnen und Mieter (Verbraucherzentrale NRW)
→ Hoch hinaus: Begrünung auf engem Raum (VerbraucherService Bayern)

Aufwand: überschaubar · Kosten: gering · geht auch zur Miete

Erdbeeren, Kräuter, Tomaten, Salat: Der kleinste Garten passt in einen Topf. Und wer im Vorbeigehen etwas pflücken kann, geht öfter hinaus – bei uns im Haus ist genau das ein Ziel.

So geht es: zuerst die Lichtverhältnisse prüfen, denn danach richtet sich alles Weitere. Gefäße immer mit Abzugsloch wählen, Untersetzer dienen im Sommer als kleine Wasserreserve. Thymian, Rosmarin und Salbei kommen mit Hitze gut zurecht. Tomaten gedeihen an einer sonnigen, regengeschützten Wand oft besser als im Beet.

Für Menschen, die nicht mehr gut in die Knie kommen: ein Hoch- oder Tischbeet auf etwa Hüfthöhe, nicht breiter, als man die Mitte bequem erreicht. Wer im Rollstuhl sitzt, braucht ein Beet, unter das man mit den Knien fahren kann. Ein fester, rutschsicherer Untergrund ringsum ist wichtiger, als man denkt.

→ Tipps zum Gärtnern auf kleinem Raum (NABU)

Aufwand: gering · Kosten: sehr gering

Jeder Liter, der aus der Tonne kommt, muss nicht aus der Leitung kommen. Das schont Trinkwasser und entlastet bei Starkregen die Kanalisation.

So geht es: im einfachsten Fall genügen offene Gefäße. Wer mehr sammeln will, schließt eine Tonne an ein Fallrohr an – in der Mietwohnung vorher abstimmen und die Traglast des Balkons bedenken, denn Wasser ist schwer.

Worauf achten: Tonne abdecken, damit sich keine Mücken vermehren und keine Tiere hineinfallen. Schattig stehendes Wasser bleibt länger frisch.

→ Tipps für eine nachhaltige Regenwassernutzung (Umweltbundesamt)

Aufwand: ein Nachmittag · Kosten: gering

Ein wasserdichtes Gefäß, ein paar Wasserpflanzen, ein sonniger bis halbschattiger Platz – fertig. Ein Miniteich kühlt durch Verdunstung und ist an heißen Tagen eine Trinkstelle für Insekten und Vögel.

Worauf achten: unbedingt eine Ausstiegshilfe einbauen, etwa einen schräg gestellten Stein oder Ast, damit kein Tier ertrinkt. In Einrichtungen und überall dort, wo Kinder oder Menschen mit Demenz unterwegs sind, gehören Wasserstellen sorgfältig geplant und gesichert.

→ Miniteich anlegen (NABU)

Aufwand: weniger als vorher · Kosten: keine

Die vielleicht bequemste Klimaanpassung überhaupt: eine Ecke Rasen einfach stehen lassen. Wildblumen und Wiesengräser wurzeln tiefer als Zierrasen, überstehen Trockenphasen ohne Gießen und brauchen kaum Pflege. Nebenbei entsteht Nahrung für Insekten.

→ Zehn Ideen für einen klimafitten Garten (NABU)

Aufwand: mittel · Kosten: gering bis mittel

Versiegelte Flächen heizen sich auf und lassen kein Wasser versickern. Schon Fugen ohne Mörtel, in denen Thymian wächst, ein Kiesweg oder ein Streifen Holzhäcksel machen einen Unterschied – für die Temperatur und für das Grundwasser.

→ Pflanzen für trockene, sonnige Standorte (NABU)

Aufwand: keiner · Kosten: keine

Die wirksamsten Hitzemaßnahmen kosten nichts: tagsüber Fenster und Türen geschlossen halten und von außen verschatten, nachts und früh am Morgen kräftig durchlüften. Ein Fächer ist erstaunlich wirksam – und braucht keinen Strom. Für ältere Angehörige, die allein leben, hilft ein verabredeter täglicher Anruf während einer Hitzewelle mehr als jedes Gerät.

→ Der „Hitzeknigge“ des Umweltbundesamtes fasst das kompakt zusammen.
→ Es gibt ihn inzwischen auch in Leichter Sprache – gut geeignet, um das Thema in Einrichtungen oder in der Familie zu besprechen.

Diese Liste wächst. Haben Sie etwas ausprobiert, das funktioniert hat? Schreiben Sie uns an katharina.freienstein@diakonie-augsburg.de – wir nehmen gute Ideen gern auf.

Was uns besonders interessiert

Von Bewohnerinnen und Bewohnern: Wie haben Sie den letzten Sommer erlebt? War es in Ihrem Zimmer auszuhalten? Wo haben Sie Schatten gesucht? Und wer den Schlossgarten noch mit den großen Bäumen kennt: Wo standen sie, wo saß man gern, was hat gefehlt, als sie weg waren? Über Fotos aus dieser Zeit würden wir uns besonders freuen.

Von Angehörigen: Sie merken oft als Erste, wenn es Ihren Angehörigen zu warm ist. Sagen Sie es uns.

Von Mitarbeitenden: Was macht Hitze mit Ihrem Arbeitstag? Wo fehlt Ihnen etwas? Und wenn Sie beim nächsten Praxistest dabei sein möchten – im Sommer hat ein kleines Team die Nackenkühlringe ausprobiert –, melden Sie sich gern.

Von anderen sozialen Einrichtungen: Sie stehen vor der gleichen Aufgabe? Wir geben unsere Erfahrungen weiter, Umwege eingeschlossen. Für einen Rundgang, einen Austausch oder einen Blick in unsere Unterlagen sind wir offen.